ADHS – ein Prädiktor für die Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern?

Die Frage nach dem Zusammenhang zwischen der Rückfallwahrscheinlichkeit von Straftätern und dem Vorliegen einer Aufmerksamkeitsstörung wurde in der Forschungsliteratur uneinheitlich beantwortet. Unter Berücksichtigung der heterogenen Befundlage untersuchte das Forscherteam um  Psychologin Lena Grieger (2012) die prädiktive Bedeutung von ADHS für das Rückfallrisiko in einer Stichprobe von 283 männlichen Straftätern.

Bestehende ADHS Symptome und jene, die in Kindheit und Jugend auftraten, wurden mithilfe eines standardisierten Diagnoseverfahrens festgestellt. Überraschenderweise erwies sich die ADHS Prävalenz bei inhaftierten Straftätern als besonders ausgeprägt; so zeigte sich in dieser Gruppe eine sechs bis zehnfach erhöhte Auftretenswahrscheinlichkeit von ADHS gegenüber der Normalbevölkerung.
Eine weitere Fragestellung der Studie war, ob sich bei inhaftierten Straftätern eine erhöhte Wahrscheinlichkeit für wiederholte Straftaten gibt. Diese Hypothese konnte durch in den statistischen Analysen nicht bestätigt werden. In der Stichprobe der Wiederholungstäter lag der Anteil der ADHS Diagnosen hingegen wesentlich höher. Somit scheint ADHS eher ein Risikofaktor für Delinquenz als für die Wiederholung von Deliktmustern zu sein.  Die Ergebnisse untermauern die Notwendigkeit, zwischen Rezidiv- und Delinquenzrisiko genau zu differenzieren.

Unsere Einschätzung: Die aussagekräftige Studie von Grieger weist auf die hohe Verbreitung von ADHS bei Inhaftierten hin und zeigt ferner, dass ADHS als Risikofaktor für die Ausübung weiterer Delikte gelten kann. Schlussfolgernd lässt sich festhalten, dass die frühzeitige Erkennung und Behandlung von ADHS eine wichtige Komponente in der Prävention von Straftätern darstellt.

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