Vielversprechendes neues Selbstregulationstraining für Kinder mit ADHS

Selbstregulation ist eine wichtige Voraussetzung für das schulische aber auch soziale Lernen. Besonders Kinder mit ADHS tun sich damit aber sehr. Sie fallen in der Schule durch erhöhte Ablenkbarkeit, Konzentrationsmängel und ein erhöhtes Abbruchverhalten von Tätigkeiten und Handlungen auf. Um dem abzuhelfen wurde das Lernprogramm MCII – Mental Contrasting with implemention Intentions entwickelt, das die Selbstregulation erleichtert und das Zielverfolgen von Schülern verbessert. Die bislang ermittelten Ergebnisse lassen aufhorchen.

Die Fähigkeit zur Selbstregulation wird laut Aussagen der Forscher der Universitäten Frankfurt, Hamburg, Konstanz und New York durch das Mentale Kontrastieren gefördert.
Beim Mentalen Kontrastieren bestimmt das Kind zunächst sein wichtigstes Anliegen das es in bestimmten schulischen Bereichen hat z.B. „eine bessere Englischnote bekommen“. Es soll sich dazu vorstellen wie positiv sich das erfolgreiche Umsetzen anfühlt „stolz auf sich sein“. Zudem soll es sich überlegen, welche Hindernisse es auf dem Weg zum Ziel geben kann „Es ist langweilig sich weitere Zeit mit dem Üben von Vokabeln und Grammatik zu beschäftigen“. Danach stellt sich das Kind die Hindernisse vor, die es geben kann.
Laut Gawrilow et. al. fördert dieses Vorgehen die Zielbindung. Die zweite Komponente besteht in der Förderung der Selbstregulation. Die Kinder üben und lernen eigene Wenn-Dann- Pläne aufzustellen (siehe dazu den Newsletter „Wenn-Dann-Pläne funktionieren bei ADHS“). Beispielsweise durch Sätze wie „Immer wenn Lisa mich im Englisch Unterricht anspricht, dann sage ich ihr, dass ich mich später mit ihr unterhalten möchte“.
An der Studie nahmen 116 Familien teil. Die Kinder waren in der sechsten oder siebten Klasse verschiedener Schulen in Deutschland, der Altersdurchschnitt lag bei 12,6 Jahren. Die Eltern der Kinder beantworteten im Vorfeld des Trainings einen Sreening-Fragebogen (FBB-HKS). Es wurden zwei randomisierte Gruppen gebildet. Eine Gruppe bekam eine Lernstilintervention; die andere Gruppe eine Lernstilintervention und zusätzlich das Lernprogramm MCII. Die Lernstilintervention dauerte 60 Minuten einmalig, das kombinierte Training 90 Minuten einmalig.

Ergebnisse: Eltern beurteilten die Selbstregulationsfähigkeit ihrer Kinder 2 Wochen nach der Intervention. Sowohl Kinder mit ADHS als auch Kinder ohne ADHS profitierten vom MCII Training mehr als von einer Lernstilintervention. Besonders stark waren die Effekte der ADHS Kinder. MCII führt laut Aussage der Autoren dazu, dass Verhalten in schwierigen Situationen verfügbarer gemacht wird und dadurch weniger Verarbeitungskapazität und bewusste Steuerung benötigt wird.
Die Studie hebt die positive Zielfindung und die Selbstverpflichtung der Kinder als nützliche Maßnahmen hervor. Dafür werden gute Belege geliefert, trotz der Kürze der Intervention.

Quellen
Gawrilow C., Morgenroth K., Schultz R., G. Oettingen & Gollwitzer P.M. (2012). Mental contrasting with implementation intentions enhances self-regulation of goal pursuit in
schoolchildren at risk for ADHD
. Motivation and Emotion, 10.1007/s11031-012-9288-3

Döpfner M., Lehmkuhl G. & Steinhausen H.C.(2006). KIDS Kinder-Diagnostik-System 1.ADHS Göttingen: Hogrefe.

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