Wie fördert man rechenschwache Kinder effektiv?

Diese Frage wollen Wissenschaftler der Universitäten München und Hall (Österreich)anhand einer Metaanalyse beantworten. Insgesamt 328 rechenschwache Grundschulkinder liegen der Auswertung zu Grunde. Verglichen werden Kinder, die  an einer speziellen Intervention teilgenommen hatten, mit Kindern aus einer Kontrollgruppe ohne ausdrückliche Förderung. Den Forschern ging es in der Hauptsache darum herauszufinden, welche Förderansätze wirksam sind und welche Randbedingungen zum Erfolg beitragen. Die Studie liefert wichtige Erkenntnisse für die Praxis.

Die Autoren der Studie unterscheiden zwischen nicht-curricularen und curricularen Förderansätzen. Erstere orientieren sich an Entwicklungsmodellen mathematischer Kompetenzen, wie beispielsweise das Förderprogramm “Mengen, Zählen, Zahlen“  von Krajewski et. al. (2007). Curriculare Ansätze folgen hingegen den Lehrplänen für Mathematik und fördern beispielsweise das Verstehen und Lösen von Textaufgaben.
Die an Modellen der Mathematikentwicklung  ausgerichtete Förderansätze (nicht-curriculare Ansätze) schneiden in ihrer Wirksamkeit  deutlich besser ab. Sie erreichen eine große Wirksamkeit (g = 1.08). Das gleiche gilt für geschulte Interventionsleiter (Wirksamkeit g = 1.35). Längere Programme bringen auch größere Lernfortschritte.

Kommentar:
Die Metaanalyse liefert Erkenntnisse, die unmittelbar in die therapeutische Praxis umgesetzt werden können: Eine Förderung, die versteht, wie Kinder zum Rechnen kommen, erweist sich als deutlich geeigneter als die Wiederholung oder Vertiefung von Unterrichtsinhalten. Außerdem ist die Förderung besonders effektiv, wenn sie mindestens 600 Minuten Trainingszeit umfasst. Und schließlich – das wird selten so eindeutig gesagt – erzielen geschulte Therapeuten deutlich bessere Ergebnisse.
Die Autoren gehen davon aus, dass diese Förderung positive Langzeitfolgen hat. Beweisen können sie das aber nicht, weil es zu wenige Studien über die längerfristige Wirkung der Förderung gibt.

Quellen:
E. Ise, K. Dolle, S. Pixner & G. Schulte-Körne (2012) Effektive Förderung rechenschwacher Kinder, eine Metaanalyse Kindheit und Entwicklung, 21 (3), 181 – 192

Krajewski, K., Nieding, G., &Schneider, W. (2007). Mengen, zählen, Zahlen: Die Welt der Mathematik entdecken (MZZ). Berlin: Cornelsen.

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